CQI-38: KI-gestützte Sichtprüfung sicher anwenden und bewerten

KI-gestützte Kamerasysteme übernehmen in der Automobilindustrie zunehmend anspruchsvolle Prüfaufgaben. Sie erkennen Merkmale, klassifizieren Fehler und bewerten Bauteilzustände. Damit die Prüfergebnisse dauerhaft zuverlässig bleiben, müssen neben der technischen Anlage auch KI-Modelle, Trainingsdaten, Prozessbedingungen und Änderungen systematisch beherrscht werden.

Die CQI-38 „AI Vision Inspection Application and Assessment Guideline“ bietet hierfür einen einheitlichen, praxisorientierten Rahmen. Die im Juni 2026 veröffentlichte AIAG-Leitlinie unterstützt Unternehmen dabei, KI-gestützte visuelle Prüfsysteme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu planen, einzuführen, zu validieren, zu überwachen und zu bewerten.

TopQM-Systems unterstützt Unternehmen bei der fachlichen Einordnung und praktischen Umsetzung der CQI-38 sowie bei der Vorbereitung entsprechender Assessments.

Was ist CQI-38?

CQI-38 ist eine Leitlinie der Automotive Industry Action Group (AIAG) für die Anwendung und Bewertung KI-basierter visueller Prüfsysteme in der Automobilindustrie.

Die vollständige Bezeichnung lautet:

CQI-38: AI Vision Inspection Application and Assessment Guideline

Die erste Edition wurde im Juni 2026 veröffentlicht. Sie ist die erste CQI-Publikation der AIAG, die sich speziell mit KI-gestützten Sichtprüfsystemen beschäftigt.

CQI-38 beschreibt einen standardisierten und branchenbezogenen Ansatz, mit dem Unternehmen die Leistungsfähigkeit, Genauigkeit und Zuverlässigkeit KI-basierter Prüfanwendungen bewerten und absichern können. Dabei betrachtet die Guideline den gesamten Lebenszyklus – von der Planung und Datenbasis über die System- und Prozessabnahme bis zur Überwachung, Änderung und kontinuierlichen Verbesserung.

Ist CQI-38 eine Norm oder eine Guideline?

CQI-38 ist keine eigenständig zertifizierbare Norm, sondern eine AIAG Guideline mit zugehöriger Assessment-Methodik und Workbook.

Die Leitlinie wurde entwickelt, um die Anforderungen der IATF 16949 bei der Anwendung KI-gestützter visueller Prüfsysteme zu ergänzen. Sie überträgt grundlegende Anforderungen an Prozessbeherrschung, Validierung, Prüfmittel, Daten, Änderungen und Wirksamkeit auf KI-basierte Bildverarbeitungssysteme.

Das zugehörige Assessment unterstützt Unternehmen dabei, den Reifegrad und die Wirksamkeit ihrer Anwendungen strukturiert zu bewerten und Verbesserungspotenziale abzuleiten.

Für welche Prüfsysteme gilt CQI-38?

CQI-38 richtet sich an KI-basierte visuelle Prüfsysteme, die Bilddaten nutzen, um Merkmale zu erkennen, Fehler zu klassifizieren oder Zustände zu bewerten.

Typische Anwendungen sind:

  • Erkennung von Oberflächenfehlern,
  • Prüfung auf Vollständigkeit,
  • Identifikation fehlender oder falsch montierter Bauteile,
  • Erkennung von Verunreinigungen und Beschädigungen,
  • Bewertung von Schweißnähten, Beschichtungen oder Fügeverbindungen,
  • Klassifizierung unterschiedlicher Fehlerarten,
  • Lage-, Anwesenheits- und Statuskontrollen,
  • automatisierte Gut-/Schlecht-Entscheidungen.

Der Schwerpunkt liegt auf lernenden, datenbasierten Prüfanwendungen. Traditionelle regelbasierte Bildverarbeitung und präzise dimensionale Messungen stehen nicht im Mittelpunkt der Guideline.

Für welche Unternehmen ist CQI-38 relevant?

CQI-38 ist insbesondere relevant für:

  • Automobilhersteller,
  • Tier-1- und Tier-2-Lieferanten,
  • weitere Unternehmen der automobilen Lieferkette,
  • Hersteller von Bildverarbeitungs- und Prüfsystemen,
  • Maschinen- und Anlagenbauer,
  • Systemintegratoren,
  • Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung,
  • Produktions- und Prozessverantwortliche,
  • Entwickler und Betreiber von KI-Prüfanwendungen,
  • interne Auditoren und Lieferantenauditoren.

Die Leitlinie betrifft sowohl Unternehmen, die KI-gestützte Prüfsysteme selbst entwickeln, als auch Organisationen, die solche Anlagen beschaffen, betreiben oder bei Lieferanten bewerten.

Warum ist eine besondere Leitlinie für KI-Sichtprüfungen erforderlich?

Klassische Bildverarbeitung arbeitet überwiegend mit festgelegten Merkmalen, Grenzwerten und Entscheidungsregeln. KI-gestützte Systeme leiten ihre Prüfergebnisse dagegen aus trainierten Modellen und den verwendeten Bilddaten ab.

Dadurch entstehen zusätzliche Fragen und Risiken:

  • Sind die Trainingsdaten vollständig und repräsentativ?
  • Wurden alle relevanten Fehlerbilder berücksichtigt?
  • Wie zuverlässig erkennt das System fehlerhafte Bauteile?
  • Wie werden falsche positive und falsche negative Ergebnisse bewertet?
  • Funktioniert das Modell auch unter veränderten Produktionsbedingungen?
  • Welche Änderungen erfordern eine erneute Validierung?
  • Wie werden Datenqualität, Zugriff und Cybersicherheit beherrscht?
  • Wie wird die Leistungsfähigkeit dauerhaft überwacht?

CQI-38 hilft Unternehmen dabei, diese Themen strukturiert zu behandeln und KI-gestützte Sichtprüfungen nachvollziehbar in das Qualitätsmanagementsystem zu integrieren.

Welche Inhalte deckt CQI-38 ab?

CQI-38 verfolgt einen Lebenszyklusansatz und berücksichtigt alle wesentlichen Phasen einer KI-gestützten Sichtprüfanwendung.

Systemplanung und Anlagenabnahme

Bereits vor der Beschaffung oder Entwicklung müssen Prüfaufgabe, Fehlermerkmale, Akzeptanzkriterien, Risiken und Verantwortlichkeiten eindeutig festgelegt werden.

Die technische Ausstattung muss zur vorgesehenen Anwendung passen. Dazu gehören unter anderem Kameras, Optiken, Beleuchtung, Bauteilpositionierung, Umgebungsbedingungen, Schnittstellen und die Integration in den Produktionsprozess.

Training und Validierung des KI-Modells

Die Zuverlässigkeit eines KI-Modells hängt wesentlich von der Qualität der verwendeten Daten ab. CQI-38 betrachtet deshalb unter anderem:

  • Auswahl und Repräsentativität der Trainingsdaten,
  • Kennzeichnung und Klassifizierung der Bilddaten,
  • Berücksichtigung relevanter Fehlerbilder,
  • Trennung von Trainings- und Validierungsdaten,
  • Festlegung geeigneter Leistungskennzahlen,
  • Bewertung fehlerhafter Klassifizierungen,
  • dokumentierte Validierung und Freigabe des Modells.

Prozessabnahme und Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit

Neben dem KI-Modell muss auch die Anwendung unter realen Produktionsbedingungen bewertet werden. Nach der Prozessabnahme ist die Leistungsfähigkeit regelmäßig zu überwachen.

Abweichungen, Veränderungen oder eine schleichende Verschlechterung der Erkennungsleistung müssen rechtzeitig erkannt und bewertet werden.

Datenmanagement und Cybersicherheit

Bilddaten, Modelldaten und Prüfergebnisse sind zentrale Bestandteile des Systems. Entsprechend wichtig sind geregelte Prozesse für:

  • Datenqualität und Datenintegrität,
  • Speicherung und Rückverfolgbarkeit,
  • Zugriffsrechte,
  • Versionskontrolle,
  • Schutz vor Verlust und Manipulation,
  • Umgang mit sensiblen Produktionsdaten,
  • Cybersicherheitsrisiken.

Änderungsmanagement

Änderungen an Produkt, Prozess, Anlage oder Umgebung können die Zuverlässigkeit eines KI-gestützten Prüfsystems beeinflussen.

Das gilt beispielsweise für Änderungen an:

  • Kameras, Optiken und Beleuchtung,
  • Anlagen und Prozessparametern,
  • KI-Modellen und Algorithmen,
  • Trainings- und Referenzdaten,
  • Produktmerkmalen und Fehlerbildern,
  • Umgebungsbedingungen,
  • Software und IT-Infrastruktur.

Relevante Änderungen müssen bewertet, dokumentiert und bei Bedarf durch eine erneute Validierung abgesichert werden.

Kontinuierliche Verbesserung

Erkenntnisse aus Fehlklassifizierungen, Produktionsabweichungen, Reklamationen, Assessments und Prozessdaten sollen genutzt werden, um die Anwendung kontinuierlich weiterzuentwickeln und ihre Leistungsfähigkeit dauerhaft zu erhalten.

Assessment und Workbook zur CQI-38

Zur CQI-38 gehört eine Assessment-Methodik mit Workbook. Damit können Unternehmen die Umsetzung und Wirksamkeit ihrer KI-gestützten Sichtprüfanwendungen strukturiert bewerten.

Das Assessment kann unter anderem eingesetzt werden für:

  • interne Standortbestimmungen,
  • Bewertung neuer KI-Prüfanwendungen,
  • Vorbereitung der System- und Prozessabnahme,
  • regelmäßige Wirksamkeitsprüfungen,
  • Bewertung von Änderungen,
  • interne Assessments,
  • Lieferantenbewertungen,
  • Identifikation und Nachverfolgung von Verbesserungspotenzialen.

Die einheitliche Bewertungsstruktur erleichtert es, unterschiedliche Anwendungen, Produktionsbereiche oder Lieferanten nachvollziehbar und konsistent zu beurteilen.

Verhältnis zwischen CQI-38 und IATF 16949

CQI-38 ersetzt die IATF 16949 nicht. Die Guideline wurde entwickelt, um das Qualitätsmanagementsystem bei der konkreten Anwendung KI-gestützter Sichtprüfsysteme zu ergänzen.

Schnittstellen bestehen insbesondere zu folgenden Themen:

  • risikobasiertes Denken,
  • Prozessentwicklung und Prozessfreigabe,
  • Überwachungs- und Messressourcen,
  • Kompetenz und Verantwortlichkeiten,
  • dokumentierte Informationen,
  • Änderungsmanagement,
  • Überwachung und Messung,
  • Rückverfolgbarkeit,
  • Lieferantenmanagement,
  • Behandlung von Abweichungen,
  • kontinuierliche Verbesserung.

Unternehmen sollten CQI-38 daher nicht als isolierte technische Vorgabe betrachten. Die Anforderungen und Bewertungskriterien sollten in die bestehenden Prozesse des Qualitätsmanagementsystems eingebunden werden.

Welche Vorteile bietet die Umsetzung der CQI-38?

Eine strukturierte Anwendung der CQI-38 unterstützt Unternehmen dabei:

  • Risiken KI-gestützter Prüfsysteme frühzeitig zu erkennen,
  • Anforderungen an Anlagen und KI-Modelle eindeutig festzulegen,
  • Trainings- und Validierungsdaten nachvollziehbar zu beherrschen,
  • die Zuverlässigkeit der Prüfergebnisse nachzuweisen,
  • Fehlklassifizierungen systematisch zu bewerten,
  • Änderungen kontrolliert umzusetzen,
  • Kundenanforderungen besser zu erfüllen,
  • Assessments gezielt vorzubereiten,
  • Vertrauen in automatisierte Prüfentscheidungen zu stärken,
  • die Leistungsfähigkeit der Systeme dauerhaft zu erhalten.

CQI-38 im offiziellen AIAG-Webshop

Die englischsprachige erste Edition der CQI-38 ist als gedruckte Publikation und als elektronisches Dokument direkt bei der AIAG erhältlich.

Zur Guideline gehört außerdem eine herunterladbare Assessment-Datei, mit der Unternehmen ihre KI-gestützten Sichtprüfanwendungen strukturiert bewerten können.

Wir sind lizenzierter Vertriebs- und Trainingspartner der AIAG in Europa.

CQI-38 mit TopQM-Systems umsetzen

Die Einführung KI-gestützter Sichtprüfsysteme ist nicht nur eine technische Aufgabe. Qualitätsmanagement, Produktion, IT, Entwicklung, Einkauf und Lieferantenmanagement müssen gemeinsam sicherstellen, dass Anforderungen, Daten, Verantwortlichkeiten und Nachweise durchgängig geregelt sind.

TopQM-Systems unterstützt Unternehmen dabei, CQI-38 praxisnah in bestehende Prozesse und Managementsysteme zu integrieren.

Unsere Unterstützung umfasst je nach Aufgabenstellung:

  • fachliche Einordnung der CQI-38,
  • Analyse bestehender KI-gestützter Sichtprüfungen,
  • GAP-Analyse gegenüber der Guideline,
  • Definition von Prozessen und Verantwortlichkeiten,
  • Integration in das bestehende Qualitätsmanagementsystem,
  • Vorbereitung und Begleitung von Assessments,
  • Bewertung und Entwicklung von Lieferanten,
  • Maßnahmenplanung und Umsetzungsbegleitung,
  • Qualifizierung der beteiligten Mitarbeiter.

Als offizieller AIAG-Partner verbindet TopQM-Systems die Anforderungen der AIAG-Publikationen mit praktischer Erfahrung in Qualitätsmanagement, Automotive-Prozessen, Audits und Lieferantenentwicklung.

Häufige Fragen zu CQI-38

Was bedeutet CQI-38?

CQI-38 ist die Kurzbezeichnung der AIAG-Publikation „AI Vision Inspection Application and Assessment Guideline“. Sie beschreibt einen branchenbezogenen Ansatz zur Anwendung, Steuerung und Bewertung KI-gestützter visueller Prüfsysteme in der Automobilindustrie.

Ist CQI-38 bereits veröffentlicht?

Ja. Die erste Edition der CQI-38 wurde im Juni 2026 veröffentlicht.

Ist CQI-38 verpflichtend?

CQI-38 ist keine gesetzliche Vorschrift und keine eigenständig zertifizierbare Norm. Eine Verpflichtung kann jedoch durch kundenspezifische Anforderungen, Verträge oder Vorgaben innerhalb der Lieferkette entstehen. Unternehmen können die Guideline auch freiwillig einsetzen, um KI-gestützte Prüfsysteme systematisch abzusichern.

Ergänzt CQI-38 die IATF 16949?

Ja. CQI-38 wurde als Ergänzung zur IATF 16949 entwickelt. Die Guideline überträgt bestehende Qualitätsanforderungen auf die besonderen Risiken und Merkmale KI-basierter visueller Prüfsysteme.

Was ist der Unterschied zwischen KI-Vision und klassischer Bildverarbeitung?

Klassische Bildverarbeitung arbeitet überwiegend mit festgelegten Regeln, Merkmalen und Grenzwerten. KI-gestützte Systeme lernen dagegen anhand von Bilddaten und trainierten Modellen. Dadurch entstehen zusätzliche Anforderungen an Datenqualität, Validierung, Modelländerungen und die laufende Überwachung der Erkennungsleistung.

Enthält CQI-38 ein Assessment?

Ja. Zur CQI-38 gehört eine Assessment-Methodik mit Workbook. Unternehmen können damit die Wirksamkeit und Beherrschung ihrer KI-gestützten Sichtprüfanwendungen strukturiert bewerten.

Für wen ist CQI-38 relevant?

CQI-38 richtet sich an Automobilhersteller, Lieferanten aller Ebenen, Hersteller von Prüfsystemen, Maschinen- und Anlagenbauer sowie Systemintegratoren. Relevant ist sie für Unternehmen, die KI-gestützte visuelle Prüfsysteme entwickeln, beschaffen, betreiben oder bewerten.